Selbst ist der Mann >> Hodenkrebsvorsorge
„Männer sind die größten Feiglinge!“
Ex-Fußballprofi Jimmy Hartwig zu Besuch
bei der BKK PFAFF in Kaiserslautern; Krebsgesellschaft und Chefarzt
des Westpfalz-Klinikums informieren über Hodenkrebsvorsorge
bei der BKK PFAFF in Kaiserslautern; Krebsgesellschaft und Chefarzt des Westpfalz-Klinikums informieren über Hodenkrebsvorsorge
„Ich erzähle nur eine Geschichte – meine Geschichte“, sagt William Georg
Hartwig-Almer, besser bekannt als Jimmy Hartwig, der auf Einladung der
BKK PFAFF am 19. April 2012 in Kaiserslautern zu Gast war. „Ich möchte nicht, dass es Ihnen so geht wie mir!“ Und dabei spricht er nicht über den Fußball. Er spricht über Krebs und den Tod, und warum Männer ihre Gesundheit ernst nehmen sollten.
Er engagiert sich seit Jahren für die Krebsprävention und ärgert sich maßlos über jeden Kerl, der nicht zu den Vorsorgeuntersuchungen geht. Und er nennt die Dinge beim Namen: „Wir Männer brauchen so was nicht! Wir sind ja die Besten! Hauptsache alles funktioniert, alles andere interessiert nicht! Wenn ich dann aber, wie letzte Woche, in der Klinik neben einem 21-Jährigen am Bett sitze und dem zugucken muss, wie er sinnlos am Krebs stirbt, packt mich die Wut. Es ist sinnlos!“ Und er weiß wovon er spricht. Nach Beendigung seiner Profikarriere musste sich Jimmy Hartwig gleich mehrfach mit unangenehmen Diagnosen auseinandersetzen. Zwei Jahre nach der Diagnose und Heilung des Prostatakrebses erkrankte er an Hodenkrebs. Inzwischen hat er auch noch ein Geschwulst im Kopf überstanden. „Ich bin durch die Hölle gegangen, aber ich lebe!“ Aber er gibt auch zu, dass er nicht anders war, als alle anderen Männer: „Vor meiner ersten Krebsdiagnose war ich sehr nachlässig! Damals bemerkte ich zwar seit mehreren Monaten die immer wieder auftretenden Schmerzen. Aber ich ertrug diese und vertuschte meine Probleme. Erst als die Schmerzen massiv wurden und über den ganzen Tag anhielten, ging ich letztendlich zum Arzt.“ Dabei liegen die Heilungschancen bei nahezu 100 Prozent, wenn Hodenkrebs im Frühstadium erkannt wird. Und es ist kein Thema des Alters: Jedes Jahr erkranken mehr als 4.800 Männer, die meisten im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. „Heute schätze ich die Situation auf Grund meiner Erfahrungen natürlich ganz anders ein. Hätte ich meine Gesundheit selbst in die Hand genommen und wäre frühzeitig zum Arzt gegangen, hätte ich mir Einiges ersparen können. Männer sind auf diesem Gebiet einfach Feiglinge!“ Jimmy Hartwig blickt zurück: „Ich war nicht immer der liebe Kerl. Ich war nie böse, aber ich habe oft im falschen Augenblick das Maul aufgemacht. Aber im Nachhinein glaube ich, habe ich alles richtig gemacht. Ich polarisiere: die Leute mögen mich oder sie hassen mich, aber sie hören mir zu!“
1970er und 1980er Jahren war Jimmy Hartwig eine der schillerndsten Figuren im deutschen Fußball. Unter armen Verhältnissen aufgewachsen, wurde er Champions-League-Sieger und dreimal Deutscher Meister mit dem Hamburger und spielte 16 Mal für die deutsche Nationalmannschaft. Freunde aus der Fußballzeit sind wenige, gute geblieben. „Du lernst Menschen erst kennen, wenn du ganz unten bist“, blickt er zurück. „Erst die letzten Jahre haben mich die Leute richtig kennen gelernt, durch meine Bücher, die Schauspielerei und die Vorträge.“ Jimmy Hartwig erzählt über seine zweite Karriere als Moderator, Autor und seine Vorsorgevorträge.
Aber auch als Theaterschauspieler feiert er in klassischen Rollen Erfolge. So spielte er unter anderem mit Ben Becker am Deutschen Nationaltheater Weimar in einer Nebenrolle in Berthold Brechts Baal mit und hat inzwischen auch sein eigenes Bühnenstück. „Man merkt wohl, dass da wohl doch ein bisschen mehr im Schädel ist, als ich früher von mir gegeben habe“. Dabei räumt er mit dem Vorurteil auf, Fußballer seien dumm. „Es gibt dumme und schlaue, viele entwickeln sich nicht weiter.
Es klingt vielleicht komisch, aber ich glaube, ich habe Glück gehabt, dass ich diese Krankheit bekommen habe. Ich hätte sonst wohl nie erkannt, wie viele wichtige Sachen es im Leben gibt.“ Fußball gehört nicht mehr zu seinen wichtigsten Dingen im Leben. „Wenn mich die Leute fragen: Wissen Sie noch? Ich will es nicht mehr wissen – abgehakt. Ich lebe jetzt, halte meine Vorträge, gehe in Kinderkliniken
und spiele den Clown mit Pappnase. Es darf nicht passieren, dass junge Männer sterben, weil sie nicht informiert sind über den Krebs!“ So ganz ohne Fußball geht es natürlich nicht. Ab und zu reist er für die FIFA in die ganze Welt und trainiert junge Talente - in Südafrika, bei Real Madrid, Barcelona, Chelsea usw.
Den rund 150 Besuchern der Veranstaltung vom 19. April 2012 in der Halle der Gartenschau Kaiserslautern schilderte er, warum er seit zwei Jahren in Sachen Krebsaufklärung unterwegs ist und sich zusammen mit der BKK PFAFF im Rahmen der Präventionskampagne „Echte Männer“ für die Früherkennung von Hodenkrebs einsetzt. Er möchte anderen den Schock dieser Diagnose ersparen.
An den Vortrag von Hartwig schloss sich eine Podiumsgesprächsrunde an, die von Elke Hach –Vorstand der BKK PFAFF- geleitet wurde. Zugegen waren Birgit Platz von der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz und Prof. Dr. Hilmar Kopper, Chefarzt am Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern. Die Pädagogin Birgit Platz berichtete über die vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffene und deren Angehörige; Prof. Dr. Kopper beleuchtete die medizinischen Aspekte, die im Zusammenhang mit einer Hodenkrebserkrankung von Bedeutung sind. Insgesamt waren sich die Gesprächsteilnehmer/innen einig, dass sich Männer durch regelmäßiges Abtasten der Hoden und einen insgesamt aufmerksamen Umgang mit dem eigenen Körper viel Leid ersparen und letztlich ihr eigenes Leben retten können.
Allerdings wurde in der Gesprächsrunde auch eine Ungleichbehandlung zwischen jungen Frauen und Männern festgestellt, auf die es die Politik aufmerksam zu machen gilt. Frauen können ab 19 Jahren zur Vorsorge gehen; jungen Männern ist diese Möglichkeit nicht eröffnet. Hier sollte darüber nachgedacht werden, ob nicht auch für junge Männer ab 19 Jahren eine Vorsorgeuntersuchung beim Urologen sinnvoll ist, die beispielsweise das Abtasten der Hoden, ein Aufklärungs- und Hygienegespräch, „…denn auch diese leidet bei jungen Männern des Öfteren“, so Hartwig, zum Inhalt hat. „Wir schauen, ob wir zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz eine Vorsorgeuntersuchung für junge Männer hinbekommen“ so Markus Rödler von der BKK PAFF. „…und wenn sich dadurch eine bundesweite Regelung in § 25 SGB V ergäbe, wäre dies ein großer Fortschritt in Sachen Männer-Prävention.“
Beim anschließenden kleinen Umtrunk plauderten alle Beteiligten und Besucher angeregt über die gewonnen Erkenntnisse und holten sich ergänzende Informationen ein. Hierfür standen Informationswände von der BKK PFAFF und von der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz zur Verfügung. Die Krebsgesellschaft brachte darüber hinaus ein Hodensackmodell mit, an dem interessierte Besucher testen konnten, wie sich Unregelmäßigkeiten an der Hodenoberfläche anfühlen.
„Die positive Resonanz auf unsere erste Veranstaltung bestätigt uns in der Absicht künftig einmal jährlich mit prominenter Unterstützung über ein Vorsorgethema zu informieren und dabei Ärzte, Firmen, Politiker, Kultur- und Vereinsschaffende, eben alle regionalen Kräfte, zusammen auf ein Thema zu fokussieren“, resümiert Markus Rödler von der BKK PFAFF.
Veranstaltungsbilder
Veranstaltungsbilder
Informationsmaterial
Informationen zum Thema Hodenkrebs haben wir Ihnen
in folgender Broschüre zuammen gestellt:
Pack's an Mann! Hodenkrebs-Vorsorge (469 KB)
Informationen zum Thema Hodenkrebs haben wir Ihnen
in folgender Broschüre zuammen gestellt:
Pack's an Mann! Hodenkrebs-Vorsorge (469 KB)


